• annette6340

Autobiografisch schreiben – wie fange ich das an?

Du hast etwas Bewegendes erlebt und möchtest es festhalten und aufschreiben?

Du hast eine ergreifende Erfahrung gemacht, die Du anderen Menschen erzählen möchtest, damit sie auch daraus lernen können?

Dann hast Du Dich vielleicht schon einmal gefragt, ob Du nicht ein autobiografisches Buch schreiben sollst.


Wunderbar – bitte verwerfe diese Gedanken nicht! Ich möchte Dich ermutigen, dies zu tun!

Wie Du diese Idee zu einem wunderbaren, für Dich selbst lehrreichen Projekt umwandeln kannst, und was Du unbedingt zu Beginn tun solltest, das beschreibe ich hier in diesem Artikel.



Wie war das bei mir?


Im Jahr 2011 erhielt ich eine Diagnose für eine Vorstufe einer Leukämie. Es gab nur eine Möglichkeit zur Therapie, eine Knochenmarktransplantation. Ich überstand die lange Zeit der Transplantation, aber die sechs Wochen auf der Isolierstation einer Uniklinik machten etwas mit mir. Es war eine Grenzerfahrung, die mein weiteres Leben danach bestimmte. Das Gefühl, am Rande des Canyons des Lebens vorbeigeschliddert zu sein, machte mich glücklich und dankbar. Gegen die folgenden körperlichen Einschränkungen musste ich jedoch meine ganze mentale Kraft aufbringen, um nicht daran zu verzweifeln.

Während der einsamen Tagen an Chemo-Infusionen in der Klinik, nur umgeben von Schwestern, Ärzten und Pflegern, hatte ich begonnen, Tagebuch zu schreiben. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellte.


Aus einem Tagebuch wurde eine Geschichte mit autobiografischen Zügen


Einige Jahre später beschloss ich, aus der Geschichte von Annette nach der Knochenmarktransplantation einen Roman über die Geschichte meiner Hauptfigur Anna zu machen.



Dabei hatte ich in dem Tagebuch eine gute Basis. In einer zweijährigen Autorenausbildung lernte ich das Schreiben, sowie die Elemente und Grundstrukturen eines Romans. Diese Erfahrung war etwas ganz Wunderbares, weil ich mich selbst reflektieren konnte und gleichzeitig über meine Fantasie eine ganz neue Welt erschuf. Eine Welt und eine Handlung, die ich so gestalten konnte, dass sie mich selbst bewegte und erfreute. Meine Heldin Anna und ich sind zusammen erwachsen geworden und haben die Jahre der Krankheit gemeinsam hinter uns gelassen.


Wenn Du auch in eine solche Welt eintauchen möchtest, solltest Du Dir im Vorfeld einige Gedanken machen.


Hier sind vier Voraussetzungen für das autobiografische Schreiben:


1. Setze Dir ein Ziel für Dein Buch


Überlege Dir im Vorfeld, was Du mit deinem autobiografischen Buch erreichen möchtest. Möchstest Du in erster Linie Dein Erleben verarbeiten? Oder möchtest Du es einer großen Leserschaft zur Verfügung stellen?

Es kann auch sein, dass Du etwas gesellschaftlich relevantes erlebt hast und dieses für Deine Nachwelt festhalten möchtest. Vielleicht warst Du bei einem besonderen prominenten Ereignis dabei und möchtest erzählen, was tatsächlich passiert ist. Ein solches Beispiel ist der Roman "Im Schatten der Welle" meiner Autorenkollegin Andie Arndt, Es ist ein wunderbarer Roman über den Tsunami im Jahre 2004. Eine fiktive Geschichte, die geprägt ist von ihren eigenen Erlebnisse und Begegnungen aus dieser Zeit direkt nach der Katastrophe in Indonesien.


2. Plane sorgfältig


Was genau ist das Thema Deines Buches? Ein Thema, nach dem Deine Leser vielleicht suchen, über das sie Texte und Geschichten lesen möchten. Ich habe als Thema die Knochenmarktransplantation gewählt, weil ich dazu im Vorfeld meiner Erkrankung außer nüchternen Sachtexten keine Bücher dazu gefunden habe.

Du weißt bestimmt sofort, was Dein Thema sein wird. Vielleicht musst Du Dir nur überlegen, wie stark Du es eingrenzen möchtest, oder ob Du es allgemeiner halten willst.


3. Entscheide, was Du preisgeben möchtest


Nun kommt der schwerere Teil. Überlege Dir, wieviel von Deinem persönlichen Leben Du offen beschreiben möchtest. Wenn Du andere Personen erwähnst, ist es wichtig, dass Du sie entweder vorher informierst, oder Du verfremdest sie.

Die Frage, wieviel Wahrheit und wieviel Fiktion in einem autobiografischen Roman oder einer Kurzgeschichte mit autobiografischem Hintergrund steckt, ist eine der am häufigsten gestellten Fragen an alle Autoren.

Und versuche Dir vorzustellen, wie Du Dich fühlst, wenn Dein Buch dann in ein paar Wochen oder Monaten erscheint. Alles, was Du geschrieben hast, ist dann öffentlich. Das ist nicht schlimm, wenn Du vorbereitet bist.


4. Eine Botschaft festlegen


Zu einem Roman gehört immer eine Prämisse, eine Botschaft. Auch bei einer autobiografischen Erzählweise ist es sinnvoll, das im Sinn zu haben, was man gezielt mitteilen möchte.

Ein allgemeines Beispiel ist das Buch „Das Leben der Bienen“ von Maja Lunde. In diesem Roman beschreibt die Autorin drei Szenarien rund um die Biene. „Bienen“ sind also das Thema des Buches. Ihre Botschaft ist jedoch eine andere, viel tief gründigere: Die Natur ist bedroht, wenn wir Menschen nichts dagegen tun, werden wir mit den Folgen zu kämpfen haben.

Auch in meinem Roman „Annas Blut“ habe ich eine Botschaft, die ich meinen Lesern weitergeben möchte: Meine Vision ist – es geht immer wieder bergauf! Jede noch so tiefe Krise führt zu etwas Positivem. Das zeige ich in der Geschichte an der persönlichen Entwicklung von Anna.


Nun kannst Du beginnen, zu schreiben!


So, nun hast Du die vier Voraussetzungen für den Start deines biografischen Schreibens geschaffen. Ich hoffe, Du lässt Dich durch die vier Punkte nicht bremsen, denn es ist eine wunderbare Erfahrung, sich mit seinem eigenen Erleben in geschriebenen Texten auseinander zu setzen. Ich kann Dich dazu nur ermutigen!



Lege einfach mal los! Nehme Dir ein Blatt Papier oder eine leere Word Seite am Computer, schließe Deine Zimmertür, und schreibe Dir Deine wichtigste Erfahrung von der Seele. Das wird Deine erste Szene, schreibe soweit, wie Du möchtest und schau Dir an, was dabei herauskommt!


In den nächsten Blogartikel schreibe ich Dir, wie es weitergehen kann. Ich gebe Dir Tipps für das Handwerkszeug, für die Entwicklung der Figuren und der Handlung.

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