Annas Blut

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Was ist, wenn nur Alleinsein Dein Leben rettet?

Sie ist erfolgreich, beliebt und Mittelpunkt jeder Party. Anna, die lebenslustige Wettermoderatorin, träumt von einer Segelreise mit ihrem Mann über den Atlantik.

 

Als sie die Diagnose Blutkrebs erhält, muss sie für mehrere Wochen ins Krankenhaus. Anna überlebt die lebensnotwendige Transplantation ihres Knochenmarks.

Doch danach ist alles anders: Ihr zerstörtes Immunsystem macht ihr einen Strich durch ihr Leben. Anna muss sich von anderen Menschen isolieren. Sie kann nicht mehr arbeiten und die geplante Segelreise findet nicht statt. Doch Anna gibt nicht auf und sucht den Weg in ihr neues Leben.

Emotional und Mut machend – eine Geschichte, die den Leser bewegt und zum Nachdenken anregt.

Leserstimmen zu Annas Blut

"Es ist Annette Mertens außerordentlich feinsinnig gelungen, einen Roman über eine Krebserfahrung zu schreiben, ohne, dass ich zu irgendeinem Zeitpunkt das Gefühl hatte, dass das Thema Überhand gewinnt oder eine nicht zu ertragende Schwere verbreitet.

Es ist eine Geschichte, die das Leben genau so schreibt."

Amazon Rezension

"Ich habe manchen Roman von Jojo Moyes und Jody Picault gelesen. Annas Blut steht in meinem Bücherregal dort eingeordnet.
Ein sehr gelungenes Werk!
Ich freue mich auf weitere Bücher von Annette Mertens."

Amazon Rezension

"Annas Blut ist ein Roman, der mich in sämtliche Gefühlswelten geschleudert hat.

Anspannung, unwissende oder berechtigte Hoffnung, Enttäuschung, neue Hoffnung, Wut, Genugtuung und echte Lebensfreude. Das Ganze ist gepaart mit liebevollem Humor - ein Buch, das ich nicht mehr aus der Hand legen konnte."

Amazon Rezension

Presse

Aachener Nachrichten 19. August 21

Aachener Nachrichten, 19. August 2021

Leseprobe

Kapitel 1

Anna mochte Krankenhäuser. Sie wirkten beruhigend auf sie, mit dem sterilen Geruch ihrer frisch gebohnerten Böden. Sie schätzte die Experten in den weißen Kitteln, die geschäftig durch die Gänge eilten. Gerade heute wollte sie ihnen besonders vertrauen. Schließlich sollten sie ihre Schulter retten, die bei jeder Bewegung schmerzte.

„Guten Morgen“, rief sie fröhlich in den Warteraum der Orthopädie.

Es kam nur leises Gemurmel zurück. Offensichtlich sagte man sich in diesem Krankenhaus nicht guten Morgen. So freundlich die Stimmung auf dem Gang war, so ernst kam sie ihr in dem Wartezimmer vor. Vielleicht fehlte nur ein wenig Musik. So etwas wie „We are the champions“ von Queen. Wir sind Superhelden, dachte Anna, wusste aber nicht so genau, ob sie dabei die Patienten meinte oder den grauhaarigen Chefarzt, der soeben mit einem Gefolge von mindestens zehn eifrig nickenden Studenten über den Gang marschierte.

Sie setzte sich gleich vorn an den Ausgang und öffnete ihre Handtasche. Blitzschnell hatte sie per Handy ihre E-Mails erfasst, ihrem Chef einen Gruß und ihrer Tochter einen Einkaufszettel geschickt. Ein Blatt Papier mit den Wetterdaten von 14 Uhr fiel ihr in die Hände, und sie verschaffte sich einen kurzen Eindruck des Tiefdruckgebietes über der Biscaya - wichtig für ihre Vorhersage am kommenden Wochenende.

Eine Schwester in weißem Kittel steckte den Kopf herein: „Frau Wunderle, kommen Sie bitte. Ich brauche noch ein paar Daten von Ihnen, dann ist Dr. Conrad für Sie da.“

Anna nahm ihre vollgepackte Reisetasche und folgte ihr in das Behandlungszimmer. 

„Name, Vorname, Geburtsdatum.“ Die Schwester hackte alle Angaben in Windeseile in den Computer. „Beruf?“

„Meteorologin.“

Die Angestellte sah erstaunt auf. Ein Lächeln zog sich über ihr Gesicht. „Stimmt – ich kenne Sie aus dem Fernsehen! Na, und wird es morgen regnen, was meinen Sie?“ Anna grinste. Wie oft schon hatte sie das gehört. 

„Verheiratet? Kinder? Adresse?“

Anna bejahte die erste Frage, erwähnte Ronja und ihren Wohnsitz in der Eifel.

„Dr. Conrad kommt sofort.“ Damit ließ die Schwester sie allein.

Es war ein warmer Apriltag, und erste Sonnenstrahlen fielen durch das Fenster. Thermisches Bodenhoch, wahrscheinlich für drei bis vier Tage. Ungewöhnlich für die Jahreszeit, aber passend für den Tag, an dem sie ins Krankenhaus ging. Alle würden das schöne Wetter genießen, und sie konnte an die Krankenhausdecke starren.

Ein hochgewachsener Mann mit schütterem Haar trat ein, er musste ungefähr in Annas Alter sein.

„Ah, die Dame mit der Oberarmkopffraktur“, begann er. „Sie sind auf die Schulter gefallen?“

Anna nickte und strich sich über den rechten Arm. Es war dumm gewesen, die nasse Straße mit dem Fahrrad in der Dämmerung hinunterzurasen, um vor Ladenschluss ein Ostergeschenk für Ronja zu besorgen. Noch dümmer, kein Licht am Fahrrad zu haben und nicht mit dem von rechts kommenden Auto zu rechnen. 

Dr. Conrad bewegte Annas Arm langsam nach oben und schaute danach auf ein Röntgenbild, das an dem Leuchtbildschirm an der Wand hing. Sie unterdrückte einen leisen Schrei. 

„Aha, Sie sind mit dem außenrotierten Arm auf die Schulter gestürzt. Das Röntgenbild zeigt deutlich eine Tuberculummajus-Fraktur.“

Was auch immer das sein mag, dachte Anna. Ihr war lediglich bewusst, dass heute Nachmittag ihre rechte Schulter operiert würde. Der gebrochene Knochenvorsprung, der durch den Sturz verschoben war, würde mit einer Platte und Bohrdrähten wieder stabilisiert werden. Anna hatte wegen ihrer Schmerzen schon mehrere Orthopäden aufgesucht. Seit mittlerweile zwei Wochen konnte Anna nicht mehr schlafen, weil sie als Seitenschläferin genau auf der kaputten Schulter lag. Sie musste sich beim Fernsehsender für die nächsten Wettervorhersagen krankmelden, denn die typische Anna-Wunderle-Armbewegung für den nordatlantischen Tiefausläufer konnte sie auf keinen Fall ausführen. 

Nun war es also so weit. Sie hatte ein bisschen Angst. Wer lässt sich schon gerne Platten in die Schulter einsetzen.

„Wie lange wird die Operation dauern? Wird es schmerzhaft sein? Werden Sie mich operieren?“, fragte Anna charmant. Der Arzt war sympathisch, er sollte doch bitte ein wenig weiter mit ihr plaudern.

Dr. Conrad schien ihre Frage nicht gehört zu haben. „Zwei Monate, dann sind sie schmerzfrei!“ Mit diesen Worten gab er ihr zum Abschied die Hand.

Ein Routine-Eingriff, dachte Anna, während sie der Schwester auf die Station folgte, fix erledigt. Knochen heilen schnell, das hatte Oliver gestern überzeugt gesagt, mit der medizinischen Halbbildung eines Juristen, der nie länger als einen halben Tag im Krankenhaus hatte verbringen müssen. „Im Sommer bist du wieder auf den Beinen, Engelchen, dann können wir die Segel hissen.“

Der Segeltörn. Seit Jahren sprachen sie davon. Diesen September sollte es wahr werden. Einmal über den Atlantik segeln. Einmal im Leben frei von Verpflichtungen, nur mit den weißen Wellen unter sich, auf ihrem Segelboot, der GRACE, die mit 42 Fuß Länge viel Komfort für die lange Reise bot. Ein halbes Jahr lang das Wetter nicht beschreiben, sondern fühlen, auf der Haut, in den Haaren, die Nase angefüllt mit salziger Luft. Sie würden nicht allein sein, nein, sie planten, sich der ARC, der „Atlantic Rally for Cruisers“, einer großen Gruppe an Seglern anzuschließen, die gleichzeitig in Gran Canaria starten und gemeinsam im Laufe der folgenden vier Wochen in der Karibik ankommen wollten. Anna gefiel die Idee sehr, neue Menschen kennenzulernen, die genauso abenteuerlustig waren wie sie.

Doch erst musste die Schulter wieder funktionieren. Nur noch diese kleine Hürde, dachte sie, und betrat mit der Schwester ihr Zimmer.

Die Aussicht, mehrere Tage hier in der Eifelklinik allein zu verbringen, machte Anna nervös. Sie musste unbedingt ihre Freundinnen anrufen. Und Oliver sollte am besten noch heute Abend mit Ronja vorbeikommen. Sie warf ihre Handtasche auf das Bett und setzte sich dazu. Die Tasche kippte um und entleerte ihren Inhalt auf die Bettdecke. Portemonnaie, Lesebrille, Kalender, ihr Handy, das Kabel: Alles purzelte von der Bettdecke auf den Boden. Anna seufzte, hob die Einzelteile auf, um sie auf die Kommode, auf das Bett oder den Tisch zu schieben. In null Komma nichts hatte sie das sterile Krankenzimmer in ein typisches Anna - Zimmer verwandelt mit ihren persönlichen Dingen in jeder Ecke.

Nachdem die Schwester ihr den rechten Oberarm mit einer orange-roten Paste eingestrichen hatte, war es so weit: Anna zog das grün gestreifte OP-Hemdchen an und nahm ihre Beruhigungstabletten.

Durch das halb geöffnete Fenster hörte sie das erste Vogelgezwitscher in diesem Jahr. An der weißen Wand gegenüber ihrem Bett hingen Bilder mit Sommerlandschaften, grünen Wiesen und glücklichen Kühen.

Ein letzter Blick auf den Arm, noch einmal heben, einmal senken, schon die geringste Bewegung tat weh. Anna wurde schwindelig, und sie legte sich flach auf das Bett. Dieser blöde Sturz … Operation … Sie würde es nicht mehr schaffen, Oliver eine Nachricht zu schreiben. Die Wand mit den vielen Bildern gegenüber begann zu schwanken, die pechschwarze Kuh drehte sich nach rechts und dann nach links…

 

„Frau Wunderle, hören Sie mich?“ In Annas Ohren piepste es. Natürlich hörte sie das, es war ja ziemlich laut. Doch ihre Lippen verweigerten ihr ihren Dienst. Weitere Stimmen schwirrten um sie herum, irgendwelche Geräte gaben Töne ab. Das Piepsen wurde lauter, höher. Anna wollte, dass es aufhörte, versuchte die Augen zu öffnen. Vergeblich. Ihre Lider waren bleischwer.

„Wie fühlen Sie sich?“

Anna erkannte Dr. Conrads Stimme. Ach ja, die Operation… Sie fröstelte, konnte nicht antworten. Wo war sie? Warum war das so laut hier? Mit aller Macht öffnete sie die Augen einen kleinen Spalt und identifizierte einen Infusionsständer neben dem Bett, auf dem sie immer noch in ihrem OP-Hemdchen lag.

Großartig, sie hatte es überstanden … Anna hob die Hand und spürte die Nadel in ihrer Armbeuge. Sie langte nach oben, doch anstelle eines dicken Verbandes war da – nichts.

„Wwwwwas ist passssssiert“, die Artikulation klarer Worte gelang ihr noch nicht.

„Frau Wunderle, wir haben Sie nicht operiert. Ihre Blutwerte sind nicht in Ordnung. Genauer gesagt, katastrophal. Sie haben zu wenig Leukozyten, und die Erythrozytenzahl weist auf eine Zytopenie hin.“

Anna konnte den Fachausdrücken nicht mehr folgen. „Aber die Schulter…“

„Vergessen Sie die Operation. Mit diesen Blutwerten ist sie zu gefährlich. Wegen der Narkose müssen wir Sie über Nacht hierbehalten. Bitte besorgen Sie sich bald einen Termin bei diesem Hämatologen, der soll sich ihre Werte in Ruhe anschauen. Alles Gute!“ Er legte den Zettel mit den Blutwerten sowie eine Visitenkarte auf den Nachttisch und war verschwunden.

Anna sank erschöpft zurück. Sie drehte den Kopf umher und schaute sich nach ihren Habseligkeiten um; wo war nur das verfluchte Handy. Auch der Zettel, den der Arzt ihr gezeigt hatte, war nicht zu sehen. Sie vermutete, dass er in ihre Handtasche gerutscht war, die sie auf dem Stuhl neben sich sah. Doch das weiße Blatt, das sie dann griff, war der Bericht mit den Wetterdaten, nicht ihren Blutwerten. Anna runzelte die Stirn. So groß war ihr das Tiefdruck-Gebiet vor der Operation gar nicht vorgekommen.

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Warum ich dieses Buch geschrieben habe?

Ich wollte nicht nur einen Roman über eine Krebserfahrung schreiben. 

Meine Mission ist, dass ich meine Erfahrung zur Krisenbewältigung weitergeben und Mut machen möchte.

Ich schreibe, weil ich glaube, etwas erzählen zu können. In meinem Leben habe ich einige Grenzerfahrungen erlebt und möchte meine Gedanken in einfachen Geschichten weitergeben.

Meine Geschichten haben ein Happy End. Das sind meine wichtigsten Botschaften:

  • Es wird alles wieder gut.

  • Es geht immer wieder bergauf.

  • Alles hat seinen Sinn.

  • Augen zu und durch!