Deine Geschichte aufschreiben - wie fängst du an?


Warum ich angefangen habe, ein Buch zu schreiben



Im Jahr 2011 habe ich eine Grenzerfahrung erlebt. Ich war mehrere Wochen auf einer Isolierstation eines Krankenhauses, mein Immunsystem war chemisch zerstört und ich wartete auf die lebensrettenden Stammzellen meines Bruders. Die Tage in diesem lebensbedrohlichen Zustand und die Konsequenzen für mein Leben danach haben mich sehr geprägt. Ich habe gelernt, dass es im Leben nicht immer nur gute Tage gibt. Aber dass jede Krise ihren Sinn hat. Denn diese harte Zeit hat mir das Leben gerettet.

In der Zeit, in der mir dieses Glück bewusst geworden ist, beschloss ich, ein Buch zu schreiben. Mein Buch sollte eine Geschichte erzählen, die anderen Mut macht.




Hast Du auch etwas Besonderes erlebt?


Du möchtest auch die Geschichte deines Lebens schreiben? Du hast etwas erlebt, was die beeindruckt und geprägt hat und was du gerne weitergeben möchtest?

Dann ist es eine wunderbare Idee, darüber ein Buch zu schreiben. Das Erlebnis, irgendwann einmal das eigene Buch in den Händen zu halten, ist etwas ganz Besonderes und das kannst auch Du!

Zuallererst musst du dir aber darüber klar werden, was für ein Buch du schreiben möchtest. Denn je nachdem, ob du einen Ratgeber oder einen Roman schreiben möchtest, brauchst du anderes Handwerkszeug, Fähigkeiten und Wissen.

Ich zeige dir hier auf, welche Möglichkeiten es gibt und danach weißt du vielleicht, welchen Weg du einschlagen möchtest, um das Buch deines Lebens zu schreiben.


Es gibt zwei große Kategorien an Büchern des Lebens

1. Sachbücher, Ratgeber

Ein Sachbuch ist eine eine leicht lesbare Textsammlung zu verschiedenen aktuellen Themen wie Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport oder Hobbys. Es beinhaltet die Erfahrungen des Autors, der durch sein Erleben und seine Erfahrungen Experte auf diesem Gebiet geworden ist.


Auch ich hätte ein Sachbuch über die Knochenmarktransplantation aus Sicht des Patienten schreiben können. Habe ich doch viele Jahre die ganze Reise des Patienten durchgemacht, wie zum Beispiel Themen Ernährung, Keimfreiheit, Abstoßungsreaktion, das Leben, danach – dies sind alles Kapitel die in diesem Buch vorkommen würden. Um einen wirklich guten Ratgeber zu schreiben, hätte ich eine umfangreiche Recherche machen müssen. Und mich besser noch zusätzlich mit meinen Ärzten, Psychologen und anderem Fachpersonal beraten müssen.


Eine besondere Art des Ratgebers ist ein biografischer Ratgeber.


In einem solchen Ratgeber erzählt der Autor seine eigenen Erfahrungen und stellt jeweils aus den einzelnen Stationen Schlussfolgerungen und Tipps für Leser zusammen. Diese Ratgeber gibt es im Bereich der Krebserkrankung beispielsweise sehr oft. Meistens liegt der Fokus hierbei auf der Psyche. Dabei wird nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch Gefühle, Erfahrungen, Gedanken und Inspirationen. Diese Ratgeber sind wertvoll, weil sie sehr persönlich und authentisch geschrieben sind. Es steckt sehr viel Herzblut, Empfinden und Emotionen in diesen Büchern.


Ich gebe dir hier ein paar Beispiele für biografische Ratgeber. Auf dem Bild siehst Du zwei von den vier Beispielen.



  1. RumgeKREBSt, von Sandra Polli Holstein

  2. Nicht allein auf weißem Flur - von Antje Vorndran

  3. Mein Leben, meine Lungentransplantationen und ich - von Rani Gindl

  4. Warum sagt einem das denn niemand? - von Nella Rausch



Vor- und Nachteile des Ratgeberschreibens:


Vorteil: Es ist relativ einfach zu lernen, diesen Ratgeber zu schreiben, weil kein umfangreiches Schreibhandwerk notwendig ist Veröffentlichung: über Verlag oder Self Publishing – Die Chancen, einen Verlag zu finden sind etwas größer als für einen Roman

Nachteil: Sachliche Recherche notwendig, eventuelle Konkurrenz durch schon existierende Ratgeber zum Thema


2. Romane


Ein Roman ist eine fiktionale Geschichte. Ein Roman hat somit einen großen Umfang (ab 150 Seiten kann man von einem Roman sprechen), er ist verständlich geschrieben, so dass es dem Leser Freude macht, ihn zu lesen. Ein Roman hat aber auch eine komplexe Handlung mit Figuren, die (fiktiv oder von reellen Figuren geprägt) eine wichtige Rolle für die Handlung spielen.


Wahrscheinlich denkst du bei dem Gedanken an dein erstes Buch nicht in erster Linie an einen Roman. Vielleicht geht es dir wie mir zu Beginn meines Schreibens, dass dir ein Roman wie ein riesengroßer Berg erscheint, den du nicht glaubst, erklimmen zu können.

Aber es gibt auch Möglichkeiten, eine wirkliche, erlebte Geschichte, in eine Form von Roman zu packen.


Autobiografie


Eine Autobiografie ist der Roman des gesamten Lebens einer Person. Wenn du in einem Buchladen stöberst, wirst du viele Biografien bekannter Persönlichkeiten finden. Und genau das ist auch das wichtigste Merkmal: Meistens werden Biografien von Prominenten oder wichtigen Personen veröffentlicht. Verlage tun dies, weil sie sich von diesen Büchern höhren Umsatz versprechen. Eine Biografie von mir beispielsweise, oder meinem Bruder, der Redakteur in Leverkusen ist und ein ganz normales Leben geführt hat, würde niemals verlegt werden.

Du siehst, das einfache Herunterschreiben deines Lebens ist nicht das, was in der Welt von vielen gelesen werden wird. Vielleicht hast du wirklich ein ganz aufregendes Leben gehabt und möchtest dies unbedingt schriftlich festhalten, so sollst du das auch tun. Aber ich muss dich in den meisten Fällen leider enttäuschen, wenn du darüber nachdenkst, ein Buch zu schreiben, das in den Buchhandlungen steht und von vielen Menschen gekauft wird. Schreibe deine eigene Biografie für dich, lasse sie in einer Druckerei in einer kleinen Auflage drucken, binden und verschenke oder vererbe diese Geschichte, die so wertvoll für deine Lieblingsmenschen, Freunde und Familie ist, weiter.


Biografischer Roman


Ich wollte damals eine Geschichte schreiben, die den Leser fesselt. Sehr bald war mir bewusst, dass die Geschichte über die Zeit, in der ich im Krankenhaus lag, jeden Tag mit meinen Kindern geskypt habe, und über das Leben und das Gesundwerden nachgedacht habe, für fremde Menschen nicht besonders interessant ist. Ich schrieb über viele Wochen Tagebuch, um diese Gedanken für mich festzuhalten – aber nur für mich.



Dieses Tagebuch wurde die Grundlage für meine Fantasie – für die Entwicklung der spannenden Geschichte von Anna, einer lebenslustigen Fernsehmoderatorin, die plötzlich krank wird und sich zurück in ein lebenswertes Leben kämpft.


Wenn du diese Zeilen siehst, merkst du schon, dass viel von mir, von Annette, in Anna steckt. Aber nicht alles. Ich habe mir Anna ausgedacht, ich habe mir überlegt, wie sie wohl aussehen mag, welche Interessen, welche Macken und welche Vorlieben sie hat. Manche davon sind auch meine Macken, aber nicht alle.

Dann habe ich mir andere Figuren überlegt, die zu Annas Geschichte passen. Die ihre Reise durch die Krebserkrankung und durch das Gesundwerden voranbringen, oder die Anna auch in ihrer persönlichen Entwicklung behindern. Erst als Anna sich von solche Figuren trennt, kann sie stark werden groß – und gesund.


Ich habe mich also für eine ganz spezielle Form des Buchschreibens entschieden, den biografischen (oder, ich sage gerne: halbbiografischen) Roman. Beispiele für biografische Romane sind folgende:


- Ein Song bleibt für immer - von Alice Peterson - Annas Blut - von mir -Das Schicksal ist ein mieser Verräter - von John Green


Wenn Du auch diesen Weg des biografisch geprägten Romans einschlagen willst, habe ich hier ein paar Tipps für Dich:

  1. Versuche dich im fiktionalen, belletristischen Schreiben. Tue es einfach einmal. Zum Einstieg gibt es eine große Zahl an Schreibübungen, die dich schnell ins Schreiben bringen, so dass du nicht stundenlang vor einem leeren Blatt sitzt und nicht weißt, wie du anfangen sollst. Wenn du solche Schreibübungen kennenlernen möchtest, melde dich einfach für meinen Newsletter an, dort findest du alle 2-3 Wochen Inspirationen für solche.

  2. Lerne das Handwerkszeug. Das ist nun ein weites Feld. Auch für das Schreiben von Sachbüchern wirst du am Anfang das strukturierte „Schreiben“ lernen müssen. Für einen Roman, auch für einen biografischen, ist es sinnvoll, den Aufbau der Struktur, der Handlung (oder auch Plot genannt) zu lernen. Genauso ist es spannend (und das kann ich dir aus ganzem Herzen empfehlen), Figuren zu entwickeln. Sie sind das Herz eines jeden guten Buches und beginnen sich meist zu verselbständigen 😊. Zu diesen Themen gibt es endlose Informationen im Internet. Schau zum Beispiel einmal bei: Annika Bühnemann, Die Schreibtrainerin, Janet Zentel und dem Bookerfly Club oder Die Schreibdilettanten.

  3. Suche dir Gleichgesinnte oder Schreibgruppen

Hierzu gibt es sehr viele Möglichkeiten. In einem Schreibkurs lernst du das Handwerkszeug über mehrere Wochen/Monate und wirst begleitet in dem Prozess deiner Geschichten Entwicklung. Zusammen mit anderen Schreibbegeisterten bekommst du ganz viel Motivation und Feedback für deine Texte und wirst es leichter haben, dabei zu bleiben.


Vor- und Nachteile des biografischen Romans:


Vorteil: Du schreibst ein großes Werk, einen richtigen Roman, der nicht nur Leser mit dem gleichen Problem berührt, sondern eine größere Zielgruppe erreichen kann Das Verarbeiten deiner persönlichen Geschichte in einem Roman macht sehr viel Spaß.

Nachteil: Romanschreiben erfordert ein wenig Übung, das Lernen ist zeitaufwändig

Nun ist Dir bestimmt eines klar:

Ein Buch schreibt sich nicht in einem Monat.


Es ist ein Prozess über viele Monate und du wirst viel Zeit am Schreibtisch dafür verbringen müssen. Aber es ist auch Qualitäts-Zeit. Es ist Zeit für Dich, die dich dir selbst näher bringt und dir hilft, deine Geschichte zu verarbeiten.


Schau doch ab und zu hier auf diesem Blog vorbei – in den nächsten Artikeln erläutere ich dir die nächsten Schritte, wie du deine Geschichte zu Papier bringen kannst.




Was ist für dich die beste Möglichkeit? Hast du schon eine Idee oder Tendenz, in welche Richtung du gehen möchtest? Schreibe mir doch, wofür du dich entschieden hast!. Und welche Fragen für dich nach diesem Artikel noch offen geblieben sind.


Fotos: Bild von Ulrike Leone auf Pixabay und Bild von www_slon_pics auf Pixabay





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